| Interviews |
24.06.2010, 16:00 |
| „Der deutsche REIT funktioniert durchaus“ - Interview mit Frank Schaich, CEO, Fair Value REIT-AG
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Ein Punkt des Koalitionsvertrags zwischen Union und FDP dreht sich auch um die Weiterentwicklung des REIT-Gesetzes – doch wie wichtig wäre das überhaupt, immerhin gibt es ja drei deutsche REIT-Aktiengesellschaften? Das GoingPublic Magazin sprach mit Frank Schaich, CEO der Fair Value REIT-AG.
GoingPublic:
Herr Schaich, als Vorstand einer der drei REIT-Aktiengesellschaften verfolgen
Sie auch den Fortgang der Diskussion in Berlin. Tut sich noch etwas?
Schaich: Auf der politischen Seite
gibt es immerhin eine klare Aussage im Koalitionsvertrag. Demnach sollen
vorliegende Hemmschwellen durch Änderungen am REIT-Gesetz beseitigt werden.
Trotz aller berechtigter Skepsis bin ich daher noch ganz zuversichtlich, dass
sich die Koalition dieses Themas irgendwann annehmen wird.
GoingPublic: Welche vermeintlichen
oder tatsächlichen Gesetzesmängel sind denn für Ihre Praxis als REIT-AG
überhaupt relevant?
Schaich: Ehrlich gesagt: so gut wie
keine. Es ist ja so, dass das REITG durchaus funktioniert. Die Probleme, die
wir im Zusammenhang mit dem REITG heute sehen, haben doch eher mit dem
Zeitpunkt seiner Ratifizierung zu tun. Die erwähnten Änderungswünsche wären in
der Lage, dieses Kapitalanlageprodukt zu fördern – funktionieren tut es aber
doch schon, das sollte man nicht vergessen. Ohne einen offenen und intakten
Kapitalmarkt würden natürlich auch noch so weitgehende Änderungen keinen
Unterschied machen.
GoingPublic: Bekommen auch
Wohnimmobilien eine Chance?
Schaich: Ich meine: ja, und zwar aus
ganz objektiven Überlegungen heraus. Eine REIT-Gesellschaft ist stark
reglementiert, beispielsweise in Bezug auf das unterlegte Eigenkapital, die
Bestandshaltungspflicht – damit wäre ein REIT doch der prädestinierte
Wohnungseigentümer. Mit etwas weiterem Anlauf müsste man das doch hinbekommen.
GoingPublic: Wie beurteilen Sie die
Sanktionsmöglichkeiten bei Verstößen gegen das REITG – sind das scharfe
Schwerter oder ohne jegliche Abschreckung?
Schaich: Unterschiedlich. Es reicht
von Geldstrafen bis hin zum sofortigen Verlust des REIT-Status. Bis heute ist
keine der drei REIT-Gesellschaften mit den Auflagen soweit in Konflikt geraten,
dass ernsthafte Sanktionen drohen. Allerdings hat sich die EK-Anforderung von
45% als die wahrscheinlich konfliktträchtigste dargestellt.
GoingPublic: Wie sieht eigentlich
die typische Woche eines CEOs einer REIT-Aktiengesellschaft aus?
Schaich: Als Alleinvorstand eines
Prime-Standard-Unternehmens hat ein nicht unerheblicher Teil meiner Zeit mit
dem Vor- und Nachbereiten von Finanzberichten zu tun. Ein weiterer großer
Zeitblock geht auf das Konto der Investor-Marketing-Gespräche. Die Zeit
zwischen Reisen oder Investorengesprächen ist typischerweise gefüllt mit der
Überwachung der Assets und dergleichen. Ich kann Ihnen jedenfalls garantieren,
dass es mir nicht langweilig wird!
GoingPublic: Der Börsengang von Fair
Value liegt auch schon fast drei Jahre zurück. Mit der Bitte um eine ehrliche
Antwort: Würden Sie heute alles wieder genauso machen?
Schaich: Ein klares Ja. Leider
gingen unsere Börsennotierung und die Umwandlung in einen REIT praktisch unter.
Gerne hätten wir das Ganze mit einem IPO inklusive Kapitalmaßnahme
bewerkstelligt, das Kapitalmarktumfeld war jedoch zu dem Zeitpunkt nicht mehr
das Beste. Jetzt, wo wir bekannter geworden sind, wäre im Rahmen eines
geeigneten Umfelds sicherlich auch ein neuer Schritt an den Kapitalmarkt zu
überlegen.
GoingPublic: Das klingt
entschlossen. Ist da etwas geplant?
Schaich: Nein, nicht konkret. Wir
haben aber stets betont, dass wir wachsen möchten – und müssen. Als Möglichkeit
sehe ich in erster Linie weniger den Weg über Barkapitalerhöhungen als vielmehr
den über Sacheinlagen. So sind wir 2007 auch entstanden, aus der Umwandlung von
Fondsbeteiligungen in Aktien. So etwas wäre heute als Merger mit anderen
Unternehmen oder durch das Einbringen von Immobilien gegen Aktienausgabe
vorstellbar. Das würde uns auch die zusätzlich gewünschte Erweiterung der
Aktionärsbasis bringen.
GoingPublic: Aber: Die Fair Value
REIT-AG gilt für institutionelle Investoren als zu klein.
Schaich: Absolut. Mit einer
Marktkapitalisierung von etwa 40 Mio. Euro sind wir da unterhalb jedes Radars.
Das sagen uns Investoren recht deutlich: Geschäftsmodell interessant,
Management überzeugend, aber Liquidität der Aktie zu gering, weil Unternehmen
zu klein. Meiner Ansicht nach müssen wir auf eine Marktkapitalisierung von
mindestens 100 Mio. Euro kommen. Das geht sicherlich nicht organisch, aber
durch die erwähnten Maßnahmen wie Einbringung und Umwandlung.
GoingPublic: Sind die
angelsächsischen Investoren, mit denen Sie ja auch ab und an zu tun haben, denn
wirklich „smarter”?
Schaich: Den Nachholbedarf bei
Immobilienbewertungen haben sie Mitte des Jahrzehnts sehr wohl erkannt. Weniger
smart war indes, dass sie daraus geschlussfolgert haben, es müsse sich dann
auch in Richtung ihrer Heimatmärkte entwickeln. Hierzulande sind aber einfach
die Ausschläge nicht so stark. Wenn diese Investoren jetzt wieder rausgehen,
dann deshalb, weil sie eher bereit sind, den „Haircut“ bei ihrem Eigenkapital
hinzunehmen. Die Deutschen halten an ihren Entscheidungen dagegen länger fest.
Wenn der Zeitpunkt passt, stehen angelsächsische Investoren aber auch schnell
wieder mit ihren Milliardenfonds an der Grenze.
GoingPublic: Meinen Sie, dass die
jüngsten und leidigen Diskussionen um Fonds im Gegenzug die Anlageklasse
Immobilienaktien ein Stück voran bringen könnten?
Schaich: Das dürfte Auswirkungen
haben, wenn auch nicht sehr schnell. Das Problem bei offenen Fonds ist seit
jeher, dass hier eine langfristige Investition mit einer kurzfristigen
Rückgabemöglichkeit vermischt wird. Das widerspricht sich komplett. Bei den
geschlossenen Fonds wiederum werden die Eintrittshürden künftig höher gesetzt,
was zu einer Konsolidierung der Anbieterseite führt. Im direkten Vergleich zu
Fonds sollte eine Immobilienaktie oder eine REIT-Aktiengesellschaft besser
wegkommen – ob es dazu führen wird, dass ein Bankberater dies dann künftig auch
empfiehlt, steht auf einem anderen Blatt.
GoingPublic: Herr Schaich,
herzlichen Dank für die interessanten Einblicke.
Das Interview führte Falko Bozicevic.
Ursprünglich erschienen in der GoingPublic Ausgabe 7/2010.
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